
© Lucien Clergue
von Hartmut Bühler
Für 35.000 Euro oder die doppelte Summe können derzeit Keramikvasen von
Pablo Picasso erworben werden: in der speziell dem verstorbenen Meister
gewidmeten „Galerie für Kunst von Picasso“ in der Bilker Straße 5 in Düsseldorf.
Gratis geht es aber auch: noch bis zum 09. Januar 2010 zu sehen sind sehr persönliche
Portraits des Spaniers, fotografiert von Lucien Clergue.
Im Jahr 1953 lernen sich der 19jährige Berufsanfänger und der 72jährige Maler
während eines Stierkampfbesuchs kennen. Aus der Bekanntschaft wird Freundschaft.
Die in Düsseldorf gezeigten Fotos stammen aus Clergues 1993 erschienenem Bildband
„Picasso mon ami“.
Clergue wird am 14. August 1934 in Arles als Sohn „kleiner“ Ladenbesitzer geboren
und studierte vor seiner fotografischen Karriere am Musikkonservatorium. Er gründet
zusammen mit Michel Tournier 1968 in Arles das längst weltbekannte Festival
„Recontres Internationales de la Photographie“.
Clergue kämpfte jahrzehntelang erfolgreich für die Anerkennung der Fotografie als
Kunst – 2003 wird er zum Ritter Légion d´honneur geschlagen, 2007 als erster
Fotograf in die Academie des Beaux-Artes aufgenommen. Seinen Wohnsitz hat der
Autor, Filmemacher und Fotograf in Arles, der früheren Hauptstadt Galliens.
Die Betreiber der Galerie Conzen / Beck & Eggeling offerieren die teilweise an- und
berührenden Schwarzweiß-Motive auch zum Verkauf: Clergue-signiert von € 1.800
bis über € 6.000.
Öffnungszeiten: Di-Fr 10.00-13.00 Uhr und 14.00-18.00 Uhr; Sa 11.00-16.00 Uhr
ps – Danke Hartmut für Deine stets offenen Augen!
Der Fotograf thront über dem Maler: noch bis zum 03. Januar 2010
sind in der Bundeskunsthalle in Bonn Fotografien und Vintage-Prints
des 1927 in Berlin geborenen Fotografen Arno Fischer zu sehen. Diese
Retrospektive feiert den ehemaligen studierten Bildhauer Fischer
ebenso wie die gleichzeitig im Erdgeschoß gezeigte Werkschau
„Hauptwege und Nebenwege“ den Malerfürsten Markus Lüpertz.
Mutig in diesem Zusammenhang die Entscheidung der Museumsleitung,
die Arbeiten beider Künstler parallel auszustellen. Denn Lüpertz
(bis 17.01.2010 gezeigt), von 1988 bis 2009 Rektor der Kunstakademie
Düsseldorf, beurteilt die künstlerische Fotografie und vor allem die
Düsseldorfer Fotoschule der „Struffskys“ – Struth, Ruff, Gursky – eher
skeptisch.
Wirkt die Retrospektive des 1941 in Liberec/Böhmen geborenen Lüpertz
mit zusammen etwa 150 großformatigen Bildern und teilweise meterhohen
Skulpturen eher überladen, schmeicheln die 170 überwiegend schwarzweißen
Aufnahmen Fischers dem Auge des Betrachters. Die abgedunkelten Räume
im ersten Stockwerk und die durchschnittlich 30×40 cm großen Abzüge
besänftigen die von „zu viel“ Lüpertz-Werken und -Gedanken aufgeladenen
Sinne des Besuchers.
Die Fotografien unterteilen sich grob in Modeaufnahmen, vor allem für die
ostdeutsche „Sibylle – Zeitschrift für Mode und Kultur“, ausdrucksstarken
Portraits von Stars wie Marlene Dietrich und Juliette Greco sowie Reisebildern
von Ostdeutschland, Polen, Sowjetunion, Indien, Äquatorial-Guinea und
New York. Das früheste Bild der Ausstellung zeigt das brennende Berlin 1943.
Fischer machte es im Alter von 16 Jahren.
Kontrapunkte zu den Reportagearbeiten setzen Fischers beinah poetischen
farbigen Polaroid SX 70-Serien mit Stilleben und Details aus seinem verwilderten
Garten. Er gehört zum Landhaus, das Fischer mit seiner Ehefrau Sibylle Bergmann,
der bekannten Ostkreuz-Agentur Fotografin seit 1978 bewohnt. Diese privaten
Bildern kommentiert der Urheber auf seine bescheidene Weise: „Man muß nicht
komponieren, die Welt ist die Komposition.“
Fischer zählt zu den bedeutendsten deutschen Fotografen, der in der ehemaligen
DDR einen großen künstlerischen Freiraum genossen hat. Auslandsreisen wurden
ihm wie kaum jemand anderem gewährt und er kehrte auch jedesmal zurück.
Nach dem Mauerbau 1961 wohnte im Ostteil Berlins. In einem
SPIEGEL-ONLINE-Interview vom 01.12.2008 antwortet er auf die Frage, wie es
im damals ergangen ist: „Ich wohnte in Weißensee und hatte einen guten Job.
Ich hatte nicht die Absicht abzuhauen, auch wenn wir die Situation als nicht
richtig empfunden haben… Ans Abhauen habe ich nie gedacht. Ich habe es
den Leuten, die nicht zurückgekommen sind, sogar eher übelgenommen,
weil sie uns im Stich gelassen haben.“
Ausgewählte Bücher, Dokumente und Zeitschriften ergänzen die Fischer-Fotos
und versuchen, diese in einen historisch-kulturellen wie kritischen Kontext zu
setzen. Nach Bonn wandert die Retrospektive nach Cottbus, danach geht sie
auf Welttournee.
Arno Fischer
Retrospektive
5. November 2009 bis 3. Januar 2010
Markus Lüpertz
Hauptwege und Nebenwege
Eine Retrospektive. Bilder und Skulpturen von 1963 bis 2009
9. Oktober 2009 bis 17. Januar 2010
beide in der Bundeskunsthalle Bonn