Es handelt sich bei dieser Ausstellung nicht um eine einem einzelnen Fotografen gewidmete
Exposition, sondern um 150 Fotos, die das allmählich wiederkehrende Leben der polnischen
Hauptstadt nach der verheerenden Besatzungszeit durch deutsche Truppen ab 1939
dokumentieren. Im Jahre 70 nach Kriegsbeginn eine Bilderschau, der sich geschichtsbewußte
Menschen stellen sollten.

Die Ausstellung präsentiert Fotografien, die von professionellen
Fotoreportern gemacht und über Jahre hinweg nur als Negative
aufbewahrt wurden. Sie dokumentieren die offiziellen Momente
und den Alltag in Warschau von 1946 – 1948. Es befinden sich
unter ihnen auch rührende und berührende Fotografien der Stadt,
die zum Leben wiedererwacht und ihrer Bewohner, die sich, der
allgegenwärtigen Zerstörung zum Trotz, an der „Normalität“
erfreuen.
Sie zeigen Menschen, die in den Ruinen wohnen, die ersten
überfüllten Straßenbahnlinien mit Halbstarken, die von den
Trittbrettern „herunterhängen“, eine Menschenschlange vor dem
Schuhladen Bata, wo man Schuhe gegen Bezugsscheine bekam.
Diese Fotos stellen die Realität jener Zeit dar: Die Wiedergeburt
der zerstörten Stadt, den alltäglichen Kampf der Menschen, das
Leben auf der Straße, Handel, Erholung, Sport, Kultur und religiöses
Leben, aber auch den Prozess der Festigung des kommunistischen
Staates, die politische Situation und die immer aggressivere Propaganda.
Sie zeigen Versammlungen, Gedenktage, Demonstrationen der
Zustimmung, Festivitäten zu Jahrestagen, Rituale der Staatsbesuche -
bis zur Gründungsversammlung der Polnischen Kommunistischen
Partei im Dezember 1948.
Die Ausstellung bilden Fotografien, die aus einer Kollektion der
Polnischen Presseagentur (PAP) stammen. Sie sind unterschiedlich
groß, thematisch geordnet und mit kurzen Kommentaren aus der
damaligen Presse und aus privaten Tagebüchern versehen. Einen
wichtigen Teil der Exposition bilden Fragmente aus den Filmchroniken
sowie Originaltonaufnahmen aus jener Zeit.
Anna Brzezińska-Skarżyńska (Koautorin der Ausstellung)
„Die Mehrheit der Fotografien sind hervorragende Dokumente, die
wichtige Ereignisse und ungewöhnliche Situationen festhalten. Viele
sind wunderbare Momentaufnahmen. Ihre unbekannten Autoren
erzählen uns durch die Fotografie die Geschichte jener Zeit und die der
Menschen von damals. Sie tun das mit großer Sensibilität, aber auch
häufig mit Ironie, Spott und Humor. Wir hoffen, dass auf diese Art und
Weise gezeigte Geschichte nicht nur diejenigen bewegen wird, die sich
an damals erinnern können, sondern auch junge Menschen, denen
Begriffe wie Negativ, Fotoabzug und Analogkamera genau soviel sagen
wie die Jahre 1946, 1947 und 1948.
Ob der deprimierenden Fotos der zerstörten polnischen Hauptstadt fällt
dem Betrachter sofort ein die Schlußszene von Roman Polanskis Kinofilm
“Der Pianist”, als dieser (verkörpert von Adrien Brody) durch eine Steinwüste
“aus dem Bild” taumelt. Wenn dabei noch ein Klavier-Nocturne von Chopin
im Hintergrund zu hören ist, zeigt sich der Besucher sehr gerührt.
Noch bis zum 13.11.2009.
VOR 60 JAHREN IN WARSCHAU
Archiv-Fotografien der Polnischen Presseagentur PAP 1946–48. (31.08.-13.11.2009 )
Galerie des Polnischen Instituts Düsseldorf, Citadellstr. 7
Eintritt frei