Archive for Juni, 2009

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Eine absolut sehenswerte Fotografie-Ausstellung gibt es noch bis Sonntag im Museum
Duisburg: Attila Duraks “Ebru”. Konzipiert als Buch- und Austellungsprojekt,
fotografierte Durak sieben Jahre lang die verschiedenen Kulturen und Etnien in der
Türkei. Dem Staat, in dem alle Menschen qua Geburt Türken sind – und nicht Kurden,
Armenier, Griechen, …

‚Ebru’ ist eine alte osmanische Maltechnik, bei der Farben so auf Wasser
aufgebracht werden, dass sie sich nicht vermischen, sondern zu kunstvollen
Mustern ineinander fließen.
Diese Technik ist für den Fotografen Attila Durak ein Sinnbild für die
Multikulturalität seiner Heimat. Über viele Jahrhunderte hat sich in der
Türkei eine reiche kulturelle Vielfalt von mehr als 40 ethnischen und
religiösen Gruppen entwickelt, die sich erkennbar durch Sprache, Lebens-
gewohnheiten, kulturelle Identität und religiöse Praxis unterscheiden. Als
kunstvolles farbiges Muster sieht Durak die Gemeinschaft dieser Menschen
in seinem Land, die sich mit ihren unterschiedlichen Begabungen und
Eigenarten ergänzen und die kulturelle Vielfalt im alltäglichen Miteinander
praktizieren.
Attila Durak: “Ich bringe die Ausstellung nach Deutschland, um das zu teilen,
was ich über die Türkei gelernt habe. Ich hoffe, dass das deutsche Publikum
meine Fotos als eine Feier der kulturellen Vielfalt betrachtet. (…) Es ist eine
Möglichkeit für das deutsche Publikum, hinter die und jenseits der typischen
Bilder der Türkei zu sehen, die in Europa in Umlauf sind.
(aus der Beschreibung zur Ausstellung im Museum Duisburg)

Einziges Manko ist die technische Qualität der Diasec-Abzüge. Irgendwas muss da
schiefgelaufen sein, so dass unzählige Flecken die Betrachtung stören. Trotzdem
aber schaffen es die intensiven Bilder stark und klar zu wirken. Beeindruckend!

Nachdem ich mich bisher halbwegs gut um das Web 2.0 gedrückt hatte (meinen Facebook-Account habe ich nach einem Jahr deaktiviert, Xing war nur knappe zwei Monate aufregend und Twitter, Hi5, myspace, studiVZ, … kommen auch ohne mich aus), kam mir letzte Woche spontan die Idee, wenigstens noch die heilige Kuh des Internets auszuprobieren: den Blog.

Kaum aber war die technische Basis dafür eingerichtet (selbst dafür brauchte ich Programmierer-Hilfe…), sah ich im Schaufenster eines Buchladens “Klick – Strategien gegen die digitale Verdummung” von Susanne Gaschke. Da fühlte ich mich erwischt; denn wieso bin ich mir so sicher, mit meinem Blog nicht auch zur digitalen Verdummung beizutragen?

Auch den ersten Absatz des Vorworts empfand ich als klare Ansage, meinen Blog-Versuch sofort zu beenden, da mich teils ähnliche Gedanken ans Web 2.0 beschleichen:

Dieses Buch handelt vom Internet und von der neuen digitalen Kultur, die uns dieses Medium gebracht hat. Es ist der Versuch einer Auseinandersetzung mit dem, was über das Netz gesagt und geschrieben wird von all denen, die damit große Hoffnungen verbinden, darunter Journalisten, und Wissenschaftler, Bildungspolitiker und Unternehmer. Ich will versuchen, zu belegen, dass diese Hoffnungen mitunter ideologische Züge annehmen, dass sie einer neuen Heilslehre für unsere unglückliche, gehetzte, zerrissene Welt gleichkommen und dass sie mit der neuen Technik die brennende Sehnsucht nach einem “neuen Menschen” verbinden.
Ich selbst bin sehr skeptisch, ob sich diese Sehnsucht efüllen wird. Ich glaube nicht, dass das Netz mehr Demokratie, klügere Wissenschaft, verantwortlicheren Journalismus und mehr soziale Gerechtigkeit bringen wird. Und ich meine einige Anhaltspunkte dafür zu haben, dass die digitale Kultur diesen Zielen an bestimmten Stellen sogar entgegensteht. …
(aus: “Klick – Strategien gegen die digitale Verdummung” von Susanne Gaschke; erschienen 2009 im Herder-Verlag)

Aber: Es ist mein Versuch, mehr von innen heraus über die Funktionsweisen und die Vor- und Nachteile des Netzes zu erfahren. Daher wünsche ich dem Buch “Klick”, dem Internet und meinem Blog viel Erfolg…

Ich bedanke mich bei folgenden Menschen für ihre Blog-Unterstützung: Timo Wiersch für die schnelle technische Einrichtung, den Grafikern dieses Blog-Layouts Ajay D´Souza&Patricia Müller und natürlich Niko Synnatzschke, der mich mit einer spielerischen Begeisterung wieder und wieder ans Netz heranführt und mich dadurch auf dem Laufenden hält. Ein Dank und mein Respekt geht an den Blog “heading east” von Raul Gutierrez, der mich vor einer Woche so fasziniert hat, so dass ich hier nun selber angefangen habe zu schreiben.

- Christoph Kniel